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7 Min. Lesezeit · Restio Team

Erste Steuererklärung als Expat in Deutschland 2026

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Du bist vor Kurzem nach Deutschland gezogen, hältst deine erste Lohnsteuerbescheinigung in der Hand – und das gesamte Steuersystem fühlt sich an wie ein Rätsel in einer Sprache, die du noch lernst. Keine Sorge: Die meisten Expats bekommen im ersten Jahr eine Erstattung von 800 bis 1.500 € zurück. Diese Anleitung zeigt dir Schritt für Schritt, wie.

Kurz & knapp: Neu nach Deutschland gezogen und mindestens einmal angestellt gewesen? Dann lohnt sich die Steuererklärung fast immer. Typische Erstattung im ersten Jahr: 800–1.500 €. Du brauchst nur drei Dinge, um zu starten: Steuer-ID, Lohnsteuerbescheinigung und einen Nachweis deiner Einkünfte aus der Zeit vor dem Umzug.

Muss ich als Expat überhaupt eine Steuererklärung abgeben?

Die erste Frage ist nicht ob du kannst – sondern ob du musst. Die Antwort entscheidet über Fristen und Strafen.

Pflicht zur Abgabe hast du unter anderem, wenn du:

  • bei mehreren Arbeitgebern gleichzeitig beschäftigt warst (Steuerklasse 6),
  • Lohnersatzleistungen wie Elterngeld, Krankengeld oder Kurzarbeitergeld über 410 € bezogen hast,
  • ausländische Einkünfte im selben Steuerjahr hattest (also z.B. Gehalt aus dem Heimatland vor dem Umzug),
  • verheiratet bist und Steuerklasse 3/5 oder 4/4 mit Faktor nutzt,
  • Nebeneinkünfte über 410 € erzielt hast.

Fast alle neu zugezogenen Expats fallen automatisch in die dritte Kategorie (ausländische Einkünfte im gleichen Jahr wie der Umzug) – daher ist die Steuererklärung im ersten Jahr in der Regel Pflicht.

Die gute Nachricht: Genau in diesen Fällen ist die Erstattung auch am höchsten. Der deutsche Arbeitgeber zieht dir Lohnsteuer ab, als hättest du das ganze Jahr in Deutschland verdient. Hast du real aber nur 4–6 Monate gearbeitet, wurde zu viel einbehalten – und das bekommst du über die Steuererklärung zurück.

Die drei Dokumente, mit denen alles beginnt

Bevor du dich in Formulare stürzt: Sammle diese drei Unterlagen. Ohne sie kommst du nicht weiter.

1. Steuer-Identifikationsnummer (Steuer-ID)

  • 11-stellige Nummer, lebenslang gültig
  • Wird automatisch per Brief vom Bundeszentralamt für Steuern verschickt, meist 2–4 Wochen nach deiner ersten Anmeldung beim Bürgeramt
  • Ohne Steuer-ID geht gar nichts – weder beim Arbeitgeber noch beim Finanzamt

Tipp: Falls der Brief nie angekommen ist oder du ihn nicht mehr findest, kannst du die Steuer-ID online beim BZSt anfordern. Sie kommt dann erneut per Post.

2. Lohnsteuerbescheinigung

  • Jahresübersicht deines deutschen Arbeitgebers
  • Enthält Bruttogehalt, einbehaltene Lohnsteuer, Solidaritätszuschlag, Kirchensteuer und Sozialversicherungsbeiträge
  • Wird bis Ende Februar des Folgejahres ausgestellt (für 2025: Ende Februar 2026)
  • Meist digital im HR-Portal oder per Post

3. Nachweis deiner Einkünfte vor dem Umzug

  • Gehaltsnachweise aus dem Heimatland für Januar bis zum Umzugsmonat
  • Oder: Steuerbescheid aus dem Heimatland
  • Für das britische P60, die US Form W-2, das spanische “Certificado de Retenciones” etc. – jeder ordentliche Jahresnachweis genügt

Diese ausländischen Einkünfte werden nicht in Deutschland besteuert, aber für den Progressionsvorbehalt benötigt (mehr dazu unten).

Welche Anlagen brauche ich?

Deutschland liebt Formulare. Für Expats im ersten Jahr brauchst du meist drei Anlagen:

  • Hauptvordruck — persönliche Daten, Familienstand, Bankverbindung für die Erstattung.
  • Anlage N — Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit. Hier kommen deine Zahlen aus der Lohnsteuerbescheinigung rein. Auch deine Werbungskosten (Umzug, Fahrten, Arbeitsmittel) stehen hier.
  • Anlage AUS — ausländische Einkünfte. Hier trägst du die Einkünfte aus deinem Heimatland vor dem Umzug ein. Sie werden als “steuerfreie Einkünfte unter Progressionsvorbehalt” behandelt.

Wenn du freiberuflich gearbeitet hast, kommt zusätzlich die Anlage S + Anlage EÜR dazu.

Umzugskosten: Dein größter Hebel im ersten Jahr

Wenn du für die Arbeit nach Deutschland gezogen bist – und das ist bei fast allen Expats der Fall – sind deine Umzugskosten voll absetzbar. Das ist in den meisten ersten Jahren der größte einzelne Posten.

Absetzbar sind unter anderem:

  • Transportkosten — Umzugsunternehmen, Container-Versand, Versicherungskosten
  • Reisekosten — Flug oder Bahn für dich und deine Familie (One-Way)
  • Maklergebühren — für die neue Wohnung in Deutschland
  • Zwischenunterkunft — Hotel oder Airbnb für bis zu drei Monate, bis die eigene Wohnung bezugsfertig ist
  • Doppelte Miete — maximal drei Monate, wenn du die alte Wohnung im Heimatland noch gemietet hast

Zusätzlich kannst du die Umzugspauschale 2026 ansetzen — ohne Belege:

  • 964 € alleinstehend
  • 1.927 € mit Partner:in
  • +850 € pro weiterer Person im Haushalt (Kind, Pflegeperson)

Ein typischer Auslandsumzug summiert sich auf 3.000–6.000 € an absetzbaren Kosten. Bei einem Grenzsteuersatz von 30–40 % entspricht das einer Steuerersparnis von 900–2.400 €.

Wichtig: Sammle alle Belege – Flugtickets, Quittungen des Umzugsunternehmens, Mietverträge der Zwischenunterkunft. Das Finanzamt prüft bei hohen Umzugskosten gerne genauer.

Progressionsvorbehalt: Was passiert mit deinem alten Gehalt?

Das ist der Teil, bei dem die meisten Expats erst stutzig werden. Hier die einfache Version:

  • Dein Gehalt aus dem Heimatland vor dem Umzug wird nicht in Deutschland besteuert.
  • Es erhöht aber den Steuersatz, mit dem dein deutsches Einkommen besteuert wird.
  • Das Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) zwischen Deutschland und deinem Heimatland sorgt dafür, dass es nicht zweimal besteuert wird.

Beispiel-Rechnung

Luca zieht am 1. August 2025 aus Italien nach Berlin. Situation:

  • Januar–Juli 2025 in Mailand: 22.000 € brutto
  • August–Dezember 2025 in Berlin: 24.000 € brutto

Ohne Progressionsvorbehalt würde Luca 24.000 € zum normalen Tarif versteuern – Steuersatz etwa 14 %.

Mit Progressionsvorbehalt wird der Tarif so berechnet, als hätte Luca 46.000 € verdient – Steuersatz etwa 22 %. Dieser höhere Satz wird dann aber nur auf die 24.000 € angewandt.

Klingt nach mehr Steuern? Ja, aber: Sein deutscher Arbeitgeber hat Lohnsteuer so einbehalten, als würde er 24.000 € × 12/5 = ca. 57.600 € Jahresgehalt beziehen. Die Korrektur fällt in Lucas Fall noch positiv aus – Erstattung etwa 1.100 €.

Wie und wo reiche ich ein?

Du hast drei Wege. Alle akzeptabel – aber mit unterschiedlichem Aufwand.

Option 1: ELSTER (kostenlos, offiziell)

  • Das offizielle Finanzamt-Portal: elster.de
  • Komplett kostenlos, aber nur auf Deutsch
  • Registrierung dauert ca. 2 Wochen (Aktivierungs-Code kommt per Post)
  • Geeignet, wenn du Deutsch lesen kannst und einfache Verhältnisse hast

Option 2: Englischsprachige Apps

  • Taxfix, Wundertax, Steuerbot und ähnliche Anbieter
  • 30–40 € pro Steuererklärung, dafür geführte Fragen auf Englisch
  • Gut für einfache Fälle, oft aber schwach bei Anlage AUS und Progressionsvorbehalt
  • Prüfe vor dem Einreichen immer die finale Zusammenfassung

Option 3: Steuerberater

  • 300–800 € für eine erste Steuererklärung als Expat
  • Unverzichtbar bei US-Bürger:innen (FBAR/FATCA), komplexen DBA-Fällen oder Selbstständigkeit im ersten Jahr
  • Im ersten Jahr oft sinnvoll – spart Fehler und nutzt alle Abzüge aus

Restio-Tipp: Auch wenn du mit ELSTER oder Taxfix einreichst, lohnt sich eine Vorab-Einschätzung. Unser KI-Steuer-Assistent beantwortet deine konkreten Fragen auf Deutsch oder Englisch – ohne Termin, ohne Wartezeit.

Fristen: Keine Panik, du hast Zeit

  • Pflichtveranlagung: Abgabe bis 31. Juli des Folgejahres. Für das Steuerjahr 2025 also bis 31. Juli 2026.
  • Freiwillige Abgabe: Bis zu vier Jahre rückwirkend. 2026 kannst du noch die Jahre 2022, 2023, 2024 und 2025 einreichen.
  • Mit Steuerberater: Verlängerung meist bis Ende Februar des übernächsten Jahres (für 2025 also bis Ende Februar 2027).

Wenn du in den letzten Jahren in Deutschland gearbeitet, aber nie eine Steuererklärung abgegeben hast: Du hast vermutlich noch mehrere tausend Euro offen. Siehe auch: Was tun, wenn du die Steuerfrist verpasst hast.

Häufige Fehler, die Expats machen

  1. Steuer-ID mit Steuernummer verwechseln — die Steuer-ID (11 Ziffern) ist lebenslang, die Steuernummer (10–13 Ziffern) ändert sich bei Umzug oder Finanzamt-Wechsel.
  2. Umzugskosten nicht komplett erfassen — Flugtickets, Zwischenhotel, doppelte Miete, Maklergebühren: alles gehört rein.
  3. Ausländische Einkünfte “vergessen” — nicht angeben ist Steuerhinterziehung. Anlage AUS ist Pflicht, auch wenn die Einkünfte nicht besteuert werden.
  4. Nur auf die Lohnsteuerbescheinigung achten — Werbungskosten wie Homeoffice, Fahrten, Sprachkurs (wenn beruflich) und Arbeitsmittel werden separat eingetragen. Siehe: Was du alles von der Steuer absetzen kannst.
  5. Deadline für Pflichtveranlagung verpassen — Verspätungszuschläge fangen bei 25 €/Monat an.

So hilft dir Restio

Restio ist deine ruhige Stimme im deutschen Steuersystem – auf Deutsch und auf Englisch. Für dein erstes Jahr bedeutet das:

  • Sofortantworten — Frag auf Englisch oder Deutsch, wie du deine Umzugskosten einträgst, was Progressionsvorbehalt wirklich heißt oder welche Anlage du brauchst. Der KI-Steuer-Assistent antwortet in Sekunden.
  • Beleg-Scanner — Foto vom Flugticket, der Hotelrechnung oder dem Umzugsvertrag, und Restio erkennt automatisch, ob und wie das absetzbar ist.
  • Finanzwächter — Du bekommst rechtzeitig einen Hinweis vor der 31. Juli-Frist. Kein Kalender-Tracking, keine 25-€-Zuschläge.
  • Export — Alle erfassten Ausgaben als CSV – gibst du an deinen Steuerberater oder nutzt sie direkt in ELSTER / Taxfix.

Und: Restio ersetzt weder ELSTER noch deinen Steuerberater. Wir helfen dir, die richtigen Entscheidungen zu treffen, bevor du einreichst – damit dein erstes Jahr reibungslos läuft und du kein Geld liegen lässt.

Restio

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Restio findet Absetzungen, die du nicht kanntest.

Häufig gestellte Fragen

Muss ich als Neuankömmling überhaupt eine Steuererklärung machen?

Pflicht ist sie nur in bestimmten Fällen – etwa bei mehreren Arbeitgebern, Elterngeld, Kurzarbeitergeld oder ausländischen Einkünften im selben Jahr. Aber auch wenn du nicht musst: In fast allen Expat-Fällen lohnt sich die freiwillige Abgabe. Typische Erstattung im ersten Jahr: 800 bis 1.500 €.

Wann bekomme ich meine Steuer-ID und was ist, wenn ich sie nicht finde?

Die Steuer-ID (11 Ziffern) wird automatisch per Brief vom Bundeszentralamt für Steuern verschickt – meist 2–4 Wochen nach deiner ersten Anmeldung beim Bürgeramt. Falls du sie verloren hast, kannst du sie online beim BZSt anfordern. Der Brief kommt dann per Post innerhalb von etwa 4 Wochen.

Wie werden meine Einkünfte aus dem Heimatland behandelt?

Einkünfte vor deinem Umzug (du warst noch nicht in Deutschland steuerpflichtig) werden nicht in Deutschland besteuert. Sie fließen aber in den sogenannten Progressionsvorbehalt ein: Sie erhöhen den Steuersatz, mit dem dein deutsches Einkommen versteuert wird – steuerpflichtig sind sie aber nicht.

Was kann ich als Umzugskosten absetzen?

Bei einem beruflich bedingten Umzug nach Deutschland sind unter anderem absetzbar: Flug- und Transportkosten, Umzugsunternehmen, Maklergebühren, bis zu drei Monate Zwischenunterkunft sowie eine Umzugspauschale (964 € alleinstehend, 1.927 € mit Partner:in in 2026). Zusammen sind 3.000–6.000 € typisch.

Bis wann kann ich die Steuererklärung nachreichen?

Für die freiwillige Abgabe hast du bis zu 4 Jahre rückwirkend Zeit. 2026 kannst du also noch die Jahre 2022, 2023, 2024 und 2025 einreichen. Bei Pflichtveranlagung ist der Stichtag der 31. Juli des Folgejahres (z.B. 31.07.2026 für das Steuerjahr 2025).